Sonderkonzert der Waldbröler Kirchenmusik

Als Nachklang zum Schostakowitsch-Jubiläum im vergangenen Jahr findet im Pfarrsaal von St. Michael an der Vennstrasse in Waldbröl am 51. Todestag des berühmten Komponisten am 09. August 2026 um 17.00 Uhr ein Sonderkonzert statt.
Gleichzeitig ist der 9. August auch der Todestag von Edith Stein, der jüdischen Philosophin, die zum Katholizismus konvertierte, Ordensschwester wurde und im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde.
In diesem Gedenkkonzert verbinden sich biographische Erläuterungen, Gedichte, Zitate und Musik zu einem Ganzen, das darüber nachdenken lässt, was es bedeutet, einen Lebensweg in einem totalitären Unrechtssystem – Nazi-Diktatur, Stalinregime – führen zu müssen.
Musikalisch wird der Klavierzyklus Op. 34 von Schostakowitsch kombiniert mit einem Klavierwerk von Joel Engel, das auf zehn jüdischen Volksliedern basiert. Möglicherweise ist Edith Stein mit diesen Liedern aufgewachsen. Schostakowitsch wiederum bekennt, dass er von der jüdischen Volksmusik sehr geprägt und inspiriert wurde. Dies kann als Brücke gesehen werden, die diese beiden ganz unterschiedlichen Menschen, die sich nicht gekannt haben, doch verbindet. Eine Verbindung, die auch in ihrem je eigenen Schicksal in zwei Diktaturen, im Nachhinein erkannt werden kann.
Mitwirkende sind: Antje Bischof – Sprecherin und Michael Bischof – Klavier
Veranstalter dieses besonderen Konzertes ist der Verein zur Förderung der Kirchenmusik an St. Michael.
Wie immer ist der Eintritt frei(willig). Spenden kommen der Kirchenmusik an St. Michael zugute.

Sonderkonzert am 9. August 2026in der Katholischen Kirche St. Michael, Waldbröl mit dem Motto „Leben unter den Bedingungen der Diktatur“

Unter diesem Geleitwort konzipierten Michael Bischof und seine Frau Antje ein besonderes Konzert im Gedenken an den Komponisten Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) und der jüdischen Philosophin und späteren Ordensschwester Edith Stein (1891-1942). Das Konzept bezog seine Impulse aus den Lebensbedingungen beider Menschen in der sowjetischen Diktatur einerseits und der Nazi-Diktatur andererseits. Sowohl Schostakowitsch als auch Edith Stein starben an einem 9. August. Letztere wurde in Auschwitz ermordet.

Den musikalischen Schwerpunkt dieses Gedenkkonzertes bildete der Vortrag der 24 Präludien op.34 von Schostakowitsch mit Michael Bischof am Klavier. Dabei handelt es sich um kleine Charakterstücke, die der systematischen Dur-Moll-Tonartenfolge zugeordnet sind.

Damit bezieht sich der Komponist auf die Tradition des „Wohltemperierten Klavieres“ Bachs wie auch der Preludes op.28 von Frederic Chopin. Die 1932/33 komponierten Stücke sind eine Fundgrube stilistischer Vielfalt, die, eingebettet in der vom Expressionismus geprägten Moderne jener Zeit, Kompositionsmuster vergangener Stilepochen aufgreift. Die kaum zu vermeidenden Anachronismen setzt er gezielt für groteske mitunter auch ironische Wirkung in seiner Musik ein. Dabei sind Elemente des romantischen Charakterstückes (Träumerei, Lied ohne Worte, Wiegenlied, Etüde) wie auch die fugierten Techniken eines Johann Sebastian Bachs, darüber hinaus die genretypische Verwendung unterschiedlichster Tänze und Bewegungsabläufe (Tarantella, Polka, Marsch, Barcarole) wesentliche Grundlagen einer bunten Ausdruckvielfalt.

Die Zuhörer erlebten ständige Stimmungswechsel von der elegischen Ballade bis hin zu dramatischen Ausbrüchen voller Virtuosität. Michael Bischof erwies sich in seinem Vortrag als vorzüglicher Pianist, dem die Interpretation dieses Zyklus in allen Facetten pianistischer Anforderungen überzeugend gelang.

Im Abstand von jeweils 4 Präludien trug er, insgesamt also 6, Klavierstücke des russisch-jüdischen Komponisten Joel Engel (1868-1927) vor, die auf jüdischen Volksliedern basieren, die dieser selbst gesammelt hatte. Auch hier handelt es sich um kunstvoll stilisierte Kompositionen, die ihren Ursprung in der jiddischen Musikkultur Osteuropas haben.

Liegt hier die Verbindung zu dem russischen Komponisten und der deutsch-jüdischen  Ordensschwester ? Ist Edith Stein mit dieser Musikkultur aufgewachsen, von der sich auch Schostakowitsch inspiriert fühlte ?

Antje Bischof trug in berührender Weise biografische Erläuterungen und Zitate vor, die eindrucksvoll Gedanken und Haltungen von Menschen zum Ausdruck bringen, die unter totalitären Regimes lebten und im Fall Edith Stein tragisch endete. Somit verknüpfte sich ein musikalisch anspruchsvolles Konzert mit dem Einblick in die Biografien zweier Menschen in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem Gedenkkonzert, das die Hörer, um Erkenntnisse bereichert, mit begeistertem Beifall belohnten   

Walter Köster, Waldbröl